Vor Ort

Eine Text-Bild-Collage




VOR (W) ORT

Ein Ort lässt sich beschreiben durch die Angabe seiner Koordinaten auf der Erde oder durch die Entfernung zu anderen Orten: wieviel Kilometer entfernt von A oder wie viel Stunden von B. Das sagt aber noch nichts darüber, wie dort gelebt wird.

Hier am Rosenhag  wohnen wir beide quasi "Vor Ort" und schürfen Leben. Die folgenden Texten sollen davon Zeugnis ablegen. Der Ort, an dem ich lebe und an dem ich leben will, solange ich leben möchte, verdient längst eine Würdigung.

Eigenverlag, 2017




Zweite Liebeserklärung
an unseren Garten



Nach der ersten Liebeserklärung meldeten sich enttäuscht der Quittenbaum, die Stockrose, der Gartenteich und bemängelten, sie seien von mir vergessen oder vernachlässigt worden, obwohl sie doch für unseren Garten eine durchaus wesentliche Rolle spielten. Der Vorwurf soll mit der Zweiten Liebeserklärung aus der Welt geschafft werden. Zur Wiedergutmachung erhalten sie als Beleg für ihre Existenz Fotos in ihrer natürlichen Umgebung.

 

Idee, Texte, Fotos, Layout: H. Döring - Fotos S. 17, 21, 22, 26: M. Döring

Eigenverlag





LIEBESERKLÄRUNG
AN UNSEREN GARTEN


Wildgänse und Kraniche nutzen unseren Garten im Frühjahr und im Herbst offenbar als Wegmarke auf ihrem Überflug nach Norden oder Süden. Vielleicht wirkt die inzwischen acht Meter hohe Zypresse auf Zugvögel wie ein Leuchtturm, der Gartenteich wie ein magnetisches  Auge, der Mistelzweig im Apfelbaum wie eine weithin ausstrahlende Einladung.

Wir haben den Garten nicht angelegt, wir haben ihn so vorgefunden und behutsam für unsere Wünsche leicht verändert. Ein Gartenteich, der bereits auf alten Katasteramtskarten eingetragen war, war verschüttet, wir haben ihn aufgespürt, ausgegraben und wieder belebt, mit etwas Glück blühen hier auch Seerosen. Seit ein paar Jahren lädt  eine Statue zur Plauderei in die Sitzecke ein, dennoch wäre es vermessenen zu behaupten, wir hätten einen Rokokogarten. Damit wir rundum immer Sonnenschein haben, wäre schön, stünde das Haus auf einer Drehscheibe, aber es gibt in wenigstens drei Himmelsrichtungen Mußeflecken.

Für mich ist unser Garten auch eine Wegmarke in meinem Tagesablauf. Der Garten hatte es längst verdient, dass eine Liebes-erklärung geschrieben wird.

Die Zeichnungen sind meinen Reise- und Wandertagebüchern entnommen.

Eigenverlag


IRRTÜMER IN FLORA UND FAUNA

Die Gedichte der Sammlung „Irrtümer in Flora und Fauna“ sind im Laufe der Jahre erwachsen aus der Beschäftigung mit Sprach-erwerb und Kommunikation. Wie häufig wählen wir Wörter, die eigentlich für das was sie bezeichnen sollen, gar nicht erfunden wurden. Manchmal wundere ich mich immer noch, dass es uns ganz offensichtlich dennoch gelingt, uns zu verständigen und manchmal sogar zu verstehen, obwohl wir Wörter benutzen, die die Wirklichkeit gar nicht korrekt abbilden oder bezeichnen. In meinen Gedichten geht es um Missverständnisse, Fehlübersetzungen, Fehleinschätzungen, Überschätzungen, kurz: um eine Verwirrung der Begriffe.

Die Zeichnungen (original 20,9 x 14,8 cm) entstanden 2013 in Frottagetechnik mit Aquarellstiften, sie illustrieren nicht die Gedichte, sondern bilden eine eigenständige Sammlung, kontrapunktisch gegen die Texte gesetzt. Auch in den Zeichnungen geht es um Wörter und deren Bedeutungen.

Layout, Zeichnungen und Foto: H.D., Umschlagfoto: „Nordlicht – Südlicht“  2011, Zeitaufnahme, Berlin, Canon 1000D

Eigenverlag